In Europa, besonders in Regionen mit einer großen Roma-Bevölkerung, sind die Lebensumstände dieser Menschen oft von schwierigen Bedingungen geprägt. Die Kultur der Roma ist reichhaltig, aber auch sehr spezifisch, und viele Mitglieder dieser Gemeinschaft sehen sich mit Hindernissen konfrontiert, die ihnen das Leben schwer machen. Für gehörlose Roma sind diese Herausforderungen noch größer, da sie nicht nur mit Problemen aufgrund ihrer Roma-Herkunft, sondern auch mit ihrer Hörbehinderung konfrontiert sind, was sie zusätzlich marginalisiert.
Interviews mit Personen, die in die Bildung und Integration tauber Roma eingebunden sind, zeigen verschiedene Aspekte des Lebens dieser Gruppe. Geschichten und Erfahrungen verdeutlichen, dass diese Gruppe nicht nur sprachliche und kulturelle Barrieren überwinden muss, sondern auch Identitätsprobleme und mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft erlebt. Ihr Leben ist von einem Kampf um Zugang zu Bildung, Verständnis und Akzeptanz geprägt.
Erfahrungen von Expert*innen: Herausforderungen in der Arbeit mit tauben jungen Roma
Taissa Cruciani, Mitarbeiterin der Antwerpener Schule für Gehörlose, berichtet von ihren Erfahrungen in der Unterstützung gehörloser Roma-Kinder und -Jugendlicher. „Die größte Herausforderung in der Arbeit mit dieser Gemeinschaft besteht darin, die Eltern davon zu überzeugen, dass ihr Kind nicht weniger wertvoll ist, weil es gehörlos ist“, sagt Taissa. Eltern, die oft Cochlea-Implantate oder Hörgeräte der Gebärdensprache vorziehen, haben Schwierigkeiten, die gehörlose Identität ihres Kindes zu akzeptieren. Dieser Ansatz führt oft dazu, dass sich die Kinder weder als Teil ihrer Familie noch ihrer Gemeinschaft fühlen. Ein weiteres Problem ist, dass gehörlose Roma versuchen, sich der Mehrheitsgesellschaft anzupassen und dabei ihre gehörlose Identität ignorieren, weil sie „normal“ sein möchten wie andere. Dieses Bedürfnis, dazuzugehören, ist in Roma-Siedlungen noch stärker ausgeprägt, wo gehörlose Jugendliche oft erhebliche Isolation erfahren, wenn sie sich der Gehörlosengemeinschaft anschließen.
Taissa spricht auch über die Herausforderungen der Sprachbarriere, da gehörlose Roma oft keine gut entwickelten Sprachfähigkeiten haben und es erforderlich ist, mit ihrer Muttersprache zu arbeiten, um eine Brücke zwischen ihnen und der Mehrheitsgesellschaft zu schaffen. Dies erfordert von Lehrkräften und anderen beteiligten Fachkräften große Geduld und Verständnis.
Das Leben tauber Roma: Herausforderungen und Barrieren
Gyuler, eine gehörlose Roma-Frau aus Bulgarien, zog vor acht Jahren nach Belgien, wo sie nach und nach begann, ihre Identität zu entdecken. „Ich habe erst letztes Jahr erfahren, dass wir Roma sind“, erzählt Gyuler. Ihre Geschichte zeigt, dass es auch heute noch viel Missverständnis und mangelnde Akzeptanz der Roma-Identität gibt, nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch innerhalb der Roma-Gemeinschaften selbst. Gyuler wurde Teil der Gehörlosengemeinschaft in Belgien und lernte die Gebärdensprache, was es ihr ermöglichte, besser mit anderen zu kommunizieren und ihr Leben zu entwickeln.
Obwohl sie sich heute mehr mit Gehörlosen verbunden fühlt, gibt Gyuler zu, dass sie nie eine starke Bindung zur Roma-Identität gespürt hat. Dieses spezifische Merkmal des Lebens gehörloser Roma zeigt, dass viele von ihnen mit einer doppelten Marginalisierung konfrontiert sind – als Roma und als Gehörlose. Dieser Identitätskonflikt ist besonders stark in Gemeinschaften, die keinen offenen Zugang zu Bildung und Integration in die Gesellschaft haben. Erst als Gyuler nach Belgien zog und andere Gehörlose kennenlernte, begann sie, ein größeres Verständnis dafür zu entwickeln, was es bedeutet, gehörlos zu sein.
Integration in die Gesellschaft: Hindernisse und Hoffnungen
Die Roma-Gemeinschaft, insbesondere in den Siedlungen, steht vor vielen Herausforderungen, die sich durch die Situation gehörloser Individuen weiter verschärfen. Dieser Artikel möchte die Schwierigkeiten sichtbar machen, denen gehörlose Roma-Jugendliche und -Erwachsene gegenüberstehen, die versuchen, ihren Platz in zwei Welten zu finden – in der Gehörlosengemeinschaft und in der Roma-Siedlung, wo traditionelle Werte und Bräuche oft im Widerspruch zu den Bedürfnissen und Rechten gehörloser Menschen stehen.
In dieser Arbeit werden wir verschiedene Aspekte des Lebens gehörloser Roma auf der Grundlage von Interviews mit Expert*innen und Mitgliedern dieser Gemeinschaft beleuchten. Zudem werden wir Videos und Interviews aus Roma-Siedlungen einbinden, um die Realität ihres Alltags und die Herausforderungen, denen sie begegnen, darzustellen.
Das Leben in Roma-Siedlungen ist ein weiteres großes Hindernis für gehörlose Roma. In den Siedlungen ist es schwierig, Unterstützung oder Verständnis zu finden. René Červenak, ein junger Mann aus einer Siedlung, spricht über die Kommunikationsprobleme und Provokationen anderer. Für viele junge gehörlose Roma ist der Weg zur Bildung mit Hindernissen gepflastert, da ihre Familien oft wenig Bildung haben und mit finanziellen Problemen kämpfen, die es erschweren, ihre Kinder in das Schulsystem einzubinden.
Ružena Červenaková beschreibt, wie schwierig es war, ihren Kindern in der Siedlung Bildung zu ermöglichen. „Wir wollten sie in die Schule schicken, aber die Kosten waren zu hoch“, sagt sie. Ihre Kinder wurden in der Schule gemobbt und verspottet, bis sie schließlich Hilfe in einer speziellen Schule für Kinder mit Behinderungen fanden. Heute ist Ružena stolz auf ihre Kinder, die aus schwierigen Verhältnissen herausgekommen sind und regelmäßig zur Schule gehen.
Roma-Gemeinschaften stehen nicht nur vor Herausforderungen der kulturellen und sprachlichen Integration, sondern auch vor ernsthaften Problemen im Zusammenhang mit der Finanzierung der Bildung und dem Desinteresse oder der Unsicherheit der Eltern in Bezug auf die Bildung ihrer Kinder. Diese Probleme verschärfen sich im Fall gehörloser Kinder, die spezifische Bildungseinrichtungen und Unterstützung benötigen.
Finanzierung der Bildung und staatliche Unterstützung
Eines der Hauptprobleme der Roma-Gemeinschaft ist der Mangel an Finanzierung für die Bildung von Kindern, insbesondere von Kindern mit besonderen Bedürfnissen wie Gehörlosen. Oft fehlt es in den Siedlungen an Mitteln, um den Schulbesuch gehörloser Kinder zu finanzieren. Schulen für Gehörlose sind häufig weit entfernt, und die Kosten für Transport und Schulmaterialien sind für die Familien unerschwinglich. In einigen Fällen, wenn Kinder mit Hörbehinderungen in das reguläre Bildungssystem integriert werden, fehlt es an Unterstützung in Form von Gebärdensprachdolmetscher*innen oder spezialisierten Lehrkräften.
Viele Roma-Familien leben in Armut und haben nicht genügend finanzielle Ressourcen, um die Bildung ihrer Kinder sicherzustellen, was ihre soziale und wirtschaftliche Marginalisierung weiter verschärft. Staatliche Programme, die sich auf die Finanzierung der Bildung gehörloser Roma konzentrieren, könnten ihre Chancen auf eine hochwertige Bildung erheblich verbessern. Es sollten Programme eingeführt werden, die freien Zugang zu Schulen für Hörbehinderte garantieren, einschließlich der Kosten für Transport und Schulmaterialien, sowie Unterstützung für die Familien in den Siedlungen bieten.
Desinteresse und fehlende Informationen der Eltern
Das Problem ist nicht nur der mangelnde Zugang zur Bildung, sondern auch der fehlende Informationsstand der Eltern, die oft nicht genug über die spezifischen Bedürfnisse ihrer Kinder wissen. Einige Eltern gehörloser Kinder fühlen sich nicht kompetent genug, um ihre Kinder zu unterstützen, und kennen die vorhandenen Bildungsangebote nicht. In einigen Fällen reagieren Eltern nicht auf die Notwendigkeit, ihre Kinder in Schulen für Hörbehinderte zu schicken, was dazu führt, dass die Kinder keine Kenntnis von Möglichkeiten erhalten, die ihnen eine vollständige Entwicklung und Integration in die Gesellschaft ermöglichen würden.
Um diese Probleme zu lösen, ist es unerlässlich, die Bildung unter Roma-Eltern über die Vorteile einer speziellen Bildung zu verbessern, ihnen klare Informationen darüber zu geben, wo sie Unterstützung erhalten können, und wie sie eine bessere Zukunft für ihre Kinder sichern können.
Herausforderungen und Lösungen
Roma-Gemeinschaften sollten Zugang zu sozialen Diensten und staatlichen Programmen haben, die sicherstellen, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien, einschließlich gehörloser Kinder, gleiche Chancen auf Bildung haben, ohne sich um die finanziellen Kosten sorgen zu müssen. Das würde bedeuten, dass der Staat Schulgeld, Transport und andere Bildungskosten für Kinder aus Siedlungen übernehmen sollte, die in speziellen Schulen für Hörbehinderte unterrichtet werden möchten, und so ihre Chancen auf ein besseres Leben erheblich erhöhen würde.
Herausforderungen und Hoffnungen
Das Leben gehörloser Roma in Europa ist geprägt von Herausforderungen, die nicht nur sprachliche und kulturelle Barrieren umfassen, sondern auch Probleme der Identität, des Zugangs zur Bildung und der sozialen Integration. Für viele gehörlose Roma ist der Prozess der Integration in die Gesellschaft schwierig, aber nicht unmöglich. Hilfe und Unterstützung aus schulischen Einrichtungen, gemeinnützigen Organisationen und von Einzelpersonen, die ihre spezifischen Bedürfnisse berücksichtigen, sind entscheidend für eine erfolgreiche Integration.
Diese Geschichten zeigen uns, dass gehörlose Roma ein enormes Potenzial haben, aber Bedingungen brauchen, die es ihnen ermöglichen, sich zu entwickeln und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Es ist wichtig, dass wir als Gesellschaft ihre Bedürfnisse nicht vergessen und sie auf ihrem Weg zu einem besseren Leben aktiv unterstützen.